Stellungnahme von ELES (aktualisiert am 19.05.22)

Die Tageszeitung DIE WELT hat am Freitag (06.05.2022) in einem Beitrag schwerwiegende Vorwürfe gegen Rabbiner Walter Homolka erhoben. Rabbiner Homolka hat am Freitagnachmittag in einer Stellungnahme mitgeteilt, seine Tätigkeiten in der Jüdischen Gemeinschaft ruhen zu lassen. Dies betrifft auch seine Ämter beim Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk e. V. Die stellvertretenden Vorsitzenden, Rechtanwältin Katarina Seidler und Rechtsanwalt und Notar a. D. Benno Bleiberg, übernehmen kommissarisch die Leitung von ELES e.V. Rechtsanwältin Katarina Seidler wird den ELES e.V. nach außen vertreten.

Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk versteht sich als Ort, an dem Belästigung, Grenzüberschreitungen, Diskriminierung, Machtmissbrauch oder sexualisierte Gewalt nicht toleriert und mit Entschiedenheit verurteilt werden. Gleichzeitig weiß ELES, dass solche Bekundungen allein nicht ausreichen. ELES hat daher bereits vor Jahren Kommunikations- und Verhaltensstandards formuliert und Strukturen entwickelt, die es den Stipendiat*innen und Ehemaligen erleichtern sollen, sich mit Erfahrungen bzw. Kritik an das Studienwerk zu wenden sowie Unterstützung zu erhalten. Diese Strukturen werden laufend aktualisiert. Stipendiat*innen und Ehemalige, die im Kontext von ELES Erfahrungen machen oder gemacht haben, die einem professionellen Umgang widersprechen oder diesen behindern, können sich direkt an das ELES-Team oder die zuständige Ombudsperson wenden. Die Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme finden Stipendiat*innen und Ehemalige im Intranet von ELES (ELES/Net). ELES wird seine Strukturen des Safeguardings in den kommenden Wochen prüfen und ggf. überarbeiten.

„Es ist für mich und das ELES-Team von größter Bedeutung, dass ELES für seine Stipendiat*innen ein sicherer Ort ist. Wir wissen um unsere Verantwortung, Machtmissbrauch und sexualisierte Übergriffe zu verhindern und zu ahnden und nehmen diese Verantwortung sehr ernst. Wir sind seit Freitag mit den Stipendiat*innen, Ehemaligen, Beiratsvorsitzenden, Vertrauensdozent*innen, Vereinsmitgliedern und den Mitarbeiter*innen von ELES im engen Austausch über die aktuellen Ereignisse. Stipendiat*innen und Ehemalige, die im Kontext von ELES unangemessenes Verhalten erlebt haben, bitten wir, sich zu melden“, erklärt Jo Frank, Geschäftsführer von ELES.

„Mit Irritation, Bestürzung und Verärgerung haben wir den Artikel in DIE WELT zur Kenntnis genommen. Es werden Vorwürfe gegenüber Rabbiner Walter Homolka formuliert, die einer ernsthaften Prüfung bedürfen. Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk nimmt den Kampf gegen sexualisierte Übergriffe und Machtmissbrauch in akademischen und künstlerischen Organisationen außerordentlich ernst. Wir als Beirat sind der Auffassung ausdrücklich und nachhaltig verpflichtet, dass entsprechende Vorfälle grundsätzlich ernst zu nehmen und umgehend aufzuklären sowie strukturell zu bekämpfen sind“, so Dr. Michal Or-Guil, Prof. Dr. Paula-Irene Villa Braslavsky und Prof. Dr. Frederek Musall, Vorsitzende des ELES-Beirats.

Aktualisierung (10.05.2022)

Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe haben mehrere Institutionen wie auch das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland intensive Gespräche darüber geführt, wie Fälle sexualisierter Belästigung und Machtmissbrauch institutionsübergreifend untersucht und ausgeschlossen werden können. In Abstimmung und mit ausdrücklicher Unterstützung der Institutionen wird der Zentralrat zeitnah eine Anwaltskanzlei beauftragen, eine umfassende Prüfung der Vorwürfe durchzuführen.

 

Aktualisierung (19.5.2022)

Die Kölner Rechtsanwaltskanzlei Wollschläger wird im Auftrag des Zentralrats der Juden in Deutschland die im Raum stehenden Vorwürfe der sexualisierten Belästigung und des Machtmissbrauchs am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam untersuchen. Darüber hinaus werden die Gutachter auch in folgenden Institutionen tätig werden: der Leo Baeck Stiftung, dem Zacharias Frankel Kolleg, dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk, der Union Progressiver Juden und der Allgemeinen Rabbiner Konferenz. Die genannten Institutionen haben der Untersuchung ausdrücklich zugestimmt.

 

Die Kanzlei wird sowohl Verantwortungsträger, Mitarbeiter wie auch potenzielle Opfer oder andere Betroffene befragen. Die Anonymität der Aussagen bleibt gewahrt, wenn dies im Gespräch vereinbart wurde. Betroffene oder Zeugen können sich direkt bei der Kanzlei melden:

 

Tel.: 0152 / 59 63 90 83 (wochentags von 8 – 18 Uhr)

Mail: untersuchung@gw-strafrecht.de

 

 

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