Rückblick: New York-Akademie 2019

Die New York Auslandsakademie, ein Höhepunkt im ELES-Förderjahr, fand bereits zum fünften Mal statt. Ziel der Akademie ist es, die Stipendiat_innen mit der vielfältigen und pluralistischen jüdischen Gemeinschaft in New York vertraut zu machen und mit unserer Partnerorganisation Leo Baeck Institut (LBI) in die Geschichte der deutschjüdischen Einwanderung einzutauchen.

An unserem ersten Tag am LBI wurden das YIVO Institute for Jewish Research und die American Sephardi Federation (ASF), die beide im Center For Jewish History verortet sind, vorgestellt. Wir hörten Vorträge von Atina Grossmann, Frank Mecklenburg und Ismar Schorsch über die Geschichte des deutschen Judentums und die Migrationsgeschichte der Vereinigten Staaten und nahmen an Führungen durch zwei Ausstellungen teil, die sich mit dem Jahr 1938 befassten. Der Fokus der einen Ausstellung lag auf der Geschichte der Kindertransporte und erzählte diese aus der Perspektive der Kinder, die die Transporte erlebt haben.

Am zweiten Tag trafen wir im Leo Baeck Institut Ilana Bernson, Yeshiva University Museum, und Annie Poland, American Jewish History Society, der ältesten ethnischen, historischen Gesellschaft. Annie Poland zeigte uns einige Exponate, darunter eine bemalte Steinplatte mit einer Menorah aus dem fünften Jahrhundert, eine Gewürzbox aus dem 18. Jahrhundert, eine Channukia aus dem 20. Jahrhundert, sowie eine Haggada des polnischen Künstlers Schick. Im Anschluss erzählten uns Gabrielle Bamberger, Ursula Strauss und Raymond Schrag ihre Emigrations- und Familiengeschichten. Abends besuchten wir eine Vorstellung von Memory Moves von Layla Zami Zuckerman. In der Performance der ELES-Alumna geht es um Erinnerung.

Am Mittwoch besuchten wir die Organisation HIAS, die 1881 gegründet wurde, um Jüdinnen und Juden bei ihrer Flucht vor Pogromen zu helfen. Heute unterstützt die Organisation Flüchtlinge aus der ganzen Welt. Rabbi Rachel Grant Meyer informierte uns über die Hindernisse und Komplikationen, die entstehen können und die die Arbeit von HIAS erschweren. Danach lernten wir die Synagoge und Gemeinde Congregation Beit Simchat Torah kennen. Dort hatten wir ein aufschlussreiches Gespräch mit dem ehemalig orthodoxen Rabbiner Mike Moskowitz, der sich nun für LGBTQ-Rechte im Judentum einsetzt und unterstützt und die Religion mit der personalen Identität in Einklang bringt. Am Abend sahen wir eine berührende Dokumentation im Kimmel Center for University Life. Der Film Raised in the System erzählt von den Misserfolgen des US-Gefängnissystems und den notwendigen Reformen.

Am nächsten Tag stellte uns Rivka Cohen die Jewish Orthodox Feminist Alliance vor. Die Organistation setzt sich u. a. für die Vereinbarkeit einer feministischen Haltung mit dem jüdisch-orthodoxen Verständnis ein, für sexuelle Aufklärung, die Reflektion der #metoo-Bewegung, sowie Abtreibungsfragen. Nachmittags waren wir zu Gast bei der Anti-Defamation League. Vorträge von Liat Altmann und Evan Bernstein ermöglichten uns Einblicke in die Arbeit dieser großen, internationalen Organisation. Die ADL hat ihren Ursprung im Kampf gegen Antisemitismus, der auch heute eine wesentliche Aufgabe der Organisation ist. Die ADL unterstützt aber auch andere Gruppen und Minderheiten im Kampf gegen Hass, Ungerechtigkeit und Verfolgung. Beim anschließenden Besuch im Büro des 1897 gegründeten Forward gaben uns Samuel Norich und Chana Pollack einen Überblick über die Geschichte der jüdischen Zeitung und führten uns durch das Archiv. Den vierten Tag ließen wir im Strand Rare Book Room bei Häppchen und der Feier „Downtown Minyan Torah Dedication“ ausklingen.

Der Freitag startete im American Jewish Committee (AJC). Die Organisation wurde 1906 von einem amerikanisch-deutschen jüdischen Geschäftsmann als Reaktion auf die Pogrome gegen die Juden im Russischen Reich gegründet und wurde uns von Seffi Kogen vorgestellt. Heute steht die NGO für den Schutz der demokratischen Werte, der Menschenrechte, des Pluralismus sowie Israels Stellung in der Welt. Später besuchten wir das Bronfman Center für jüdisches Leben an der New York University (NYU). Im Gespräch mit Rabbiner Yehudah Sarna, dem Direktor des Bronfman Centers, erhielten wir einen spannenden Einblick in die Vielfalt des jüdischen Lebens auf dem amerikanischen Campus und was es für ihn bedeutet, ein überkonfessionelles jüdisches Student_innenzentrum zu leiten. Abends besuchten wir dort den Shabbat. In dem Gebäude fanden gleichzeitig ein konservativer, ein orthodoxer und ein „reform“ Gottesdienst statt. Letzterer wurde von der Rabbinerin Nikki und von den Studierenden geleitet mit dem sogenannten „Sha-band“. Dieser Schabbat legte einen besonderen Schwerpunkt auf die „NYU Ally“-Woche, die darauf abzielte, einen offenen Raum für LGTBQ-Studierende zu schaffen.

Am letzten Tag traf sich die Gruppe in Shabbatstimmung zum Frühstück. Den Vormittag verbrachten die Rabbinatsstudierende im Bronfman Center, während die Übrigen dem Morgengebet der Park Avenue Synagoge beiwohnten. Dort konnten wir einer Bar sowie Bat Mitzwa zusehen und lernten das Leben konservativer Jüdinnen und Juden in Amerika kennen. Danach wurden wir von der Synagoge zum Kiddush eingeladen. Dabei konnten die Studierenden einige der Mitglieder der Park Avenue Synagoge kennenlernen und sich so noch tiefer über jüdisches Leben austauschen. Im Anschluss besuchten wir das Jüdische Museum. Neben der Dauerausstellung gab es eine spannende Ausstellung zur Musik von Leonard Cohen. Da es der Shabbat vor Pessach war (Shabbat Hagadol), hielt ELES-Rabbinatsstudent Josh Wiener einen kurzen Shiur zu Pessach. Er legte den Fokus auf die vier Söhne, die in der Haggada vorkommen. Nach einer gemeinsamen Hawdala beendeten wir unserer Reise mit einem Abschlussabendessen in Downtown New York.

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