Portrait ELES-Auslandsförderung: Ofri Lapid

In dieser Reihe werden Stipendiat_innen vorgestellt, die mit der Unterstützung von ELES im Ausland forsch(t)en. Ofri Lapid reiste mit der ELES-Auslandsförderung nach Peru.

  • Im Sommer 2017 waren Sie in Peru. Wo genau waren Sie und was haben Sie dort gemacht? Welche Relevanz hatte der Aufenthalt für Ihre Forschung?

Ich reiste nach Pucallpa, Peru, um eine lokale indigene Gemeinschaft zu besuchen. Die Shipibo-Conibo leben tief im Wald, in einem Dorf namens Pahoyan. Die Forschungsreise bezog sich auf das Thema meines Promotionsprojekts „Descriptions of the Meandering Line“, das der Erzählung der Designpraktiken der Shipibo-Conibo-Frauen gewidmet ist. Ziel meines Projektes ist eine Monographie über diese Artefakte und ihre einzigartigen geometrischen Verzierungen. Die Muster sind in der wissenschaftlichen Literatur als „polysemisch“ bekannt. Das heißt, es gibt kein eindeutiges Verständnis hinsichtlich des Zwecks der Praxis oder der genauen Bedeutung der gezeichneten Muster. Mich faszinierte die Frage, wie man den wissenschaftlichen Wunsch nach Konformität und Schlussfolgerungen überwinden kann. Meine Strategie bestand darin, eine alternative Methodik zu entwickeln, die Konzepte aus Literatur, Geschichtenerzählen, persönlichem Austausch und kollaborativer künstlerischer Arbeit kombiniert, um eine sehr individuelle Darstellung dieser Kunst zu ermöglichen.

Ich bin nicht alleine nach Pahoyan gereist, sondern wurde von einigen anderen Künstlern begleitet. Darunter die ELES-Stipendiatin Maja Avnat, die mich bei dem Projekt unterstützt hat. Eine der Frauen, Zaida Silvano, nahm uns sehr freundlich auf. Zaida Silvano stellte mich ihren Kolleginnen und ihrer Familie vor und zeigte mir ihre künstlerische Praxis. Während meines Besuches knüpfte ich persönliche Kontakte, sprach mit vielen Menschen und tauschte mich aus. Wir zeichneten auch eine Reihe von Interviews auf. Diese Gespräche führten wir eher spontan und beiläufig, um mehr über die Themen zu erfahren, über die die Künstlerinnen sprechen wollten. 

  • Warum haben Sie sich für Pucallpa entschieden?

Im Rahmen meiner Kunstpraxis besuchte ich verschiedene Residenzprogramme außerhalb der Kulturzentren der Großstädte, beispielsweise im ländlichen Rajasthan, in Bulgarien und in Finnland. Dort initiierte ich oft ein Projekt, das die Menschen vor Ort künstlerisch einbezog. Eines dieser Programme, das Centro-Selva bei Pucallpa, war meine erste Begegnung mit den lokalen künstlerischen Praktiken der Shipibo-Conibo. Meine Neugier war geweckt. Ich forschte weiter und beschloss wiederzukommen.

  • Welches Erlebnis war ganz besonders für Sie?

Es gab einige erwartbare „Besonderheiten“: Ich wurde mit einer ganz anderen Lebensweise konfrontiert und die Natur und das Leben im Wald können hart sein. Wirklich besonders fand ich die menschlichen Aspekte der Forschungsreise: Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und ich bekam einen eindrücklichen Einblick in die politische Struktur und das Engagement der Shipibo-Conibo. Die Menschen dort führen einen harten Kampf um ihr Land zu erhalten und ihre Gemeinschaft zu stärken. Besonders beeindruckend sind die Organisationsstrategien der Frauen. Sie verwenden das Wissen über ihr Handwerk und ihre Kunst, um sich und ihre Kinder unabhängig von ihrem Partner versorgen zu können.

  • Welchen Eindruck haben Sie vom jüdischen Leben vor Ort gewinnen können? 

Der peruanische Amazonas ist wohl einer der wenigen Orte, an denen das Judentum kaum ein Thema ist …

Copyright aller Fotos: Ofri Lapid

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