ELES stellt sich vor… Dr. Michal Or-Guil

ELES stellt sich vor…
Dieses Mal mit der stellvertretenden Vorsitzenden des ELES-Beirats, Dr. Michal Or-Guil. 

 
Was sind Ihre derzeitigen Schwerpunkte in Ihrer Forschung und Lehre?
Zur Zeit verbringe ich drei Monate am Israel Institute for Advanced Studies in Jerusalem, im Campus der Hebräischen Universität. Ich bin in der glücklichen Lage, an der Arbeit einer internationalen Forschungsgruppe teilzunehmen. Thema der Beschäftigung dieser Gruppe sind “Stochastizität und Kontrolle im Immunsystem”. Wir erforschen die zufälligen Ereignisse, denen Zellen des Immunsystems unterworfen sind, und wie diese so ausgenutzt und kontrolliert werden, dass eine schnelle und zielgerichtete Immunantwort entsteht.

So ein Thema klingt abstrakt, gibt aber gerade deswegen sehr viel Raum für lange und anregende Gespräche, die wiederum in sehr konkrete Projekte münden sollen.
Von meiner Arbeit hier erwarte ich Impulse für Forschung und Lehre der Arbeitsgruppe Systemimmunologie, die ich am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin leite. Dort forschen wir im Verbund mit industriellen und klinischen Partnern an Themen der Gesundheitsforschung, wo wir unsere Expertise in der Analyse von Hochdurchsatzdaten, im experimentellen Design und in der Entwicklung von Immunoassays einbringen.

 

Was ist das erste Erlebnis, das Sie mit ELES verbinden?
Einen ersten nachhaltigen Eindruck hinterließen die Gespräche in den Auswahlseminaren. Es war schön zu sehen, dass es von Anfang an viele Interessenten gab. Immer waren es spannende Gespräche mit eigenständig denkenden jungen Leuten, mit den unterschiedlichsten Hintergründen, Interessen und Gedanken. Nach wie vor sind diese Begegnungen für mich inspirierend – unabhängig davon, ob jemand letztlich aufgenommen wurde oder nicht.

 

Wie erleben Sie bisher den ELES-Beirat als Forum jüdischer Hochschullehrer_innen in Deutschland?
So wie bei Stipendiaten und Kandidaten sind auch die Kollegen vom Beirat sehr interessante und engagierte Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen, sowohl fachlich als auch persönlich. Sie kennenzulernen, mit ihnen zu arbeiten und mich mit ihnen auszutauschen und zu beraten ist für mich eine unglaubliche Bereicherung.
Allen voran ist die gemeinsame Arbeit identitätsstiftend. Irritierend finde ich es, immer wieder an den in der Schulzeit – als Beispiel einer antisemitischen Einstellung – gelernte Vorwurf denken zu müssen, die Juden würden sich vernetzen. Daher hier meine Meinung dazu: Es ist gut so.

 

Wenn Sie Stipendiat_in wären, was würde Sie im ideellen Förderprogramm besonders interessieren?
Besonders interessant finde ich Themen, die eine Verzahnung zwischen MINT-Bereich und Gesellschaft aufzeigen. Auch faszinieren mich Themen um die unteschiedlichen Realisierungen von Staat und Religion und ihre Auswirkungen. Mich würden auch der Dialog zwischen Religionen, z.B. im Rahmen der Dialogperspektiven, so wie die Auslandsakademien ebenfalls sehr ansprechen.
Ohne Zweifel hätte ich als Stipendiatin Schwierigkeiten, eine Auswahl unter den Angeboten zu treffen und würde daher wohl versuchen, jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt zu setzen.

 

Wo sehen Sie den Schwerpunkt Ihres Engagements für das Studienwerk?
Gerne möchte ich die derzeit laufende Bildung von MINT- und Vertrauensdozenten/innen-Netzwerke nach Kräften unterstützen. Wichtig ist es mir auch, nach geeigneten Formaten zu suchen, die eine stärkere Einbindung von MINT-Themen in die ideelle Förderung erlauben.
Allgemein möchte ich dabei helfen, die noch wachsenden Strukturen zu stärken. Aus meiner Sicht ein wichtiges Thema, denn wie man Strukturen und ihre Spielregeln definiert, bestimmt, wie eine Institution funktioniert und was sie ihren Mitgliedern bringt. Diesen Zusammenhang sehe ich besonders deutlich an meiner eigenen Hochschule, wo ich mich hochschulpolitisch engagiere und wo meines Erachtens der Zusammenhang zwischen der Struktur und ihre Auswirkungen auf Qualität von Forschung und Nachwuchsförderung besonders deutlich hervortritt.

 

Was wünschen Sie dem Studienwerk für seine Zukunft?
Alles Gute! Auf dass ELES weiterhin eine pluralistische Gemeinschaft bildet, in der sich alle Mitglieder gegenseitig herausfordern und unterstützen, sich engagieren und Freude haben!

 

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