COVID-19-BERICHT AUS BEIJING. Von ELES-Stipendiat Jonathan Hirsch

Ich bin während der COVID-19-Pandemie Anfang März nach Beijing zurückgekommen, den Ort, an dem ich studiere. Warum ich trotz des Virus‘ nach China zurückwollte? Das letzte Semester meines Studienprogrammes ist ein Praktikum. Ich hatte eine exklusive Stelle als Assistent des General Managers der Außenhandelskammer Greater China bekommen – das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Außerdem war die Lage in China wieder auf dem Weg der Besserung, nach „offiziellen Angaben“ gab es Anfang März in Beijing schon keine Neuansteckungen mehr. Infolgedessen dachte ich: „Why not?“

Doch schon die Rückreise war aus mehreren Gründen nicht einfach. Mein Rückflug nach China wurde gleich zweimal gestrichen, sodass ich erst am 9. März wieder in Beijing war. Da zu diesem Zeitpunkt die Lage des Virus‘ in Europa schon ernster war, musste ich in zweiwöchige häusliche Quarantäne. Diese war erträglich und noch milde im Vergleich zu den Regelungen, die ab dem 16. März ausnahmslos für alle aus dem Ausland Zurückgereisten nach Beijing gelten sollten. Die Regelungen sahen nun vor, für 14 Tage in ein umfunktioniertes Quarantäne-Hotel zu gehen. Die Kosten für den Aufenthalt mussten selbst übernommen werden. Für einen Studenten ganz schön happig, wenn man bedenkt, dass für die Unterbringung 60 bis 100€ pro Tag berechnet wurden. Natürlich nur für das Zimmer – Verpflegung kam noch dazu. Mittlerweile jedoch sind alle Visa und Visumsanträge von Ausländer_innen auf Eis gelegt, sodass sich das alles erübrigt hat.

Bevor ich bangen Herzens nach China zurückflog, meinten viele meiner Freunde, dass ich verrückt sei, „in dieses Krisenland zurückzufliegen!“ Aufgrund meines Austauschs mit den in Beijing gebliebenen Freunden wusste ich jedoch, dass sich die Situation dort bereits verbesserte und auf den Rest der Welt noch das zukommt, was in Beijing schon im Februar seinen Höhepunkt erfuhr.

Mittlerweile hat sich die Lage in Beijing so weit verbessert, dass die Restaurants wieder größtenteils geöffnet sind und auch die Bars ziehen langsam nach. An allen Eingängen öffentlicher Einrichtungen wird die Temperatur gemessen und in jeden „Xiaoqu“, einem Wohn-Compound, kommt man nur mit Eintrittskarte, die man als Bewohner_in ausgestellt bekommt. Berufstätige gehen ihren Tätigkeiten wieder fast normal nach. In Beijing darf die Belegschaft schon zu 50 Prozent im Büro sein, und auch die Schulen werden bald wieder geöffnet. Sogar die Fabrik, bei der ich momentan die ersten Prototypen für unser Kippah-Fashionbrand produzieren lasse, hat mir die ersten Samples zugeschickt. (Achtung: Schleichwerbung für die Marke Judah Rubinstein N.Y.!) Die Lage hier normalisiert sich also wieder und macht Hoffnung, dass es bald auch in Deutschland besser werden wird.

Ich wünsche meinen Freund_innen, Bekannten und natürlich meiner Familie in Deutschland und im Rest der Welt sehr viel Durchhaltevermögen, diese schwierige Zeit zu meistern mit all den Komplikationen, die auf viele individuell zugekommen sind.

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