24.03.2021: „Sicherheitsbehörden und Antisemitismus“. Live-Talk mit Tahera Ameer, Benjamin Steinitz, Laura Cazés, Wolfram Pemp

Es gibt eine ungebrochene Kontinuität antisemitischer Gewalt in der Bundesrepublik. Ebenso konstant gehen die Sicherheitsbehörden nicht konsequent gegen diese Gewalt vor. Obwohl Synagogen in Deutschland grundsätzlich gefährdete Orte sind, stand am 9. Oktober 2019 kein polizeilicher Wachschutz vor der Tür, als ein Rechtsterrorist die Synagoge in Halle angriff. Auch die Sicherheitsbehörden selbst, vom Verfassungsschutz über die Polizei bis zur Bundeswehr, haben ein Problem mit Antisemitismus. Beinahe wöchentlich werden rechte Chatgruppen bei der Polizei bekannt, werden entwendete Waffen und Munition gefunden. Der von Bundesinnenminister veröffentlichte Lagebericht „Rechtsextremisten in Sicherheitsbehörden“ listet allein 380 Verdachtsfälle in den Landes- und Bundessicherheitsbehörden auf und 1000 Verdachtsfälle im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung (Erhebungszeitraum Januar 2017 bis März 2020). Das Dunkelfeld dürfte weitaus größer sein. All diese Menschen haben potenziell Zugang zu Waffen, taktischem Wissen und sensiblen Informationen. Sie sind eine mehr als nur abstrakte Gefahr für die jüdische Gemeinschaft und andere Minderheiten.

Wie kommt es, dass Sicherheitsbehörden antisemitische Gewalt noch immer systematisch unterschätzen? Warum wurden und werden so viele antisemitische Straftaten nicht aufgeklärt? Ist der Kampf gegen Antisemitismus in den Behörden selbst zu lange nicht ernst genommen wurden? Welche Maßnahmen wurden entwickelt, um gegen Rechtsextremist*innen in den Sicherheitsbehörden vorzugehen? Wie sollen von Diskriminierung betroffene Menschen Vertrauen in die Sicherheitsbehörden haben, wenn sie wissen, dass dort Antisemit*innen und Rassist*innen arbeiten?

Moderation: Jo Frank
Mittwoch, 24. März 2021, 18:30 bis 19:30 Uhr
Interaktives Live-Gespräch auf Facebook

Unsere Gäste:

Tahera Ameer studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Hispanistik in Tübingen, Barcelona und Berlin. Seit 2004 arbeitet sie wissenschaftlich und bildungspolitisch zu aktuellem und historischem Antisemitismus und Rassismus. Sie ist ehrenamtliche Geschäftsführerin von „Lola für Demokratie“ in Mecklenburg-Vorpommern. Der Verein setzt sich für Geschlechtergerechtigkeit und eine gendersensible Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus ein. Bei der Amadeu-Antonio-Stiftung ist sie die Leiterin des Arbeitsbereichs „Antisemitismus und Rassismus“.

Benjamin Steinitz ist Gründer und Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (rias). Er hat Afrikawissenschaften, Politikwissenschaften und Gender Studies studiert (M. A.). Von 2003 bis 2013 war er als freier Mitarbeiter für die „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin“ (MBR) tätig. Freiberuflich setzt er mit dem „ak Historisch-politische Bildung“ Projekte zur mediengestützten Vermittlung von lokaler Geschichte jüdischen Lebens in Pankow, Antisemitismus, NS-Verbrechen und Shoah-Erinnerungskulturen um.

Laura Cazés ist Leiterin der Abteilung für Kommunikation und Digitalisierung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Sie studierte European Studies und Psychologie und war von 2017 bis 2019 Vizepräsidentin der European Union of Jewish Students. Kernthemen ihres Engagements sind die Diversität und Wahrnehmung jüdischer Lebenswelten in Deutschland, der Einbezug jüdischer Perspektiven in gesellschaftliche Diskursräume und die Schaffung innovativer Konzepte in jüdischen Communities.

Wolfram Pemp ist seit 1990 bei der Polizei Berlin. Als Kriminaldirektor leitet er die Zentralstelle für Prävention im LKA Berlin. Seit 2019 nimmt Pemp die Aufgaben des Antisemitismusbeauftragten der Polizei Berlin wahr. Er ist die zentrale Ansprechperson zum Thema fachlicher Austausch zu polizeilich Maßnahmen, zu Ursachen, Erscheinungsformen, Auswirkungen und Verfolgungsmöglichkeiten von Antisemitismus, der Initiierung und Begleitung der Aus- und Fortbildung im Themenfeld Antisemitismus sowie der fortlaufenden Sensibilisierung der Mitarbeitenden der Polizei Berlin.

Das Gespräch wird live auf der Facebook-Seite von ELES gestreamt. Fragen können dort über das Kommentarfeld gestellt werden. Das Video wird danach auf dem YouTube-Kanal von ELES veröffentlicht.

Links zum Livestream:
https://www.facebook.com/ELES.Studienwerk/

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