100. Geburtstag von Ernst Ludwig Ehrlich – Gesamtsprecher*innen gratulieren

100. Geburtstag von Ernst Ludwig Ehrlich –

Anna Basina und Benjamin Sobol, Gesamtsprecher*innen von ELES, gratulieren

Ernst Ludwig Ehrlich ist einer der wichtigsten jüdischen Gelehrten des vergangenen Jahrhunderts. Er verkörpert wie kein anderer die Werte des Studienwerks, dessen Stipendiat*innen wir sind. Obwohl Ehrlich vor hundert Jahren geboren wurde, sehen wir zahlreiche Verbindungslinien, die sich von seinem Leben und seinen Anliegen zu uns heute ziehen. Ehrlich prägte den Begriff des interkulturellen Dialoges, welcher für uns Jüdinnen und Juden heute mehr denn je relevant ist. Als Überlebender der Shoah, Schüler von Leo Baeck und angesehener Autor, traf das Engagement Herrn Ehrlichs auf breite Resonanz in der europäischen Gesellschaft.

„Das Leben wählen und gestalten, das ist die Forderung, die das Judentum an den Menschen richtet“ – dieser Satz von Leo Baeck bestimmte auch den Weg von Ernst Ludwig Ehrlich. Er ermutigte Jüdinnen und Juden, mit der Gesellschaft in den Dialog zu treten. Denn nur so können Mauern eingerissen und Brücken gebaut werden. Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft unterstützte er die Entwicklung zu einem pluralistischen und zukunftsorientierten Judentum, das auch heute noch eine tragende Säule von ELES ist. Mit der Einwanderung jüdischer Familien aus der ehemaligen UdSSR in den 1990er- und 2000er-Jahren, sah sich die jüdische Gemeinschaft Deutschlands vor eine Mammutaufgabe der Integration gestellt, an deren Lösung auch Ernst Ludwig Ehrlich mitwirkte. Dass dies gelungen ist, zeigt sich unter anderem daran, dass ein wesentlicher Anteil der Stipendiat*innen bei ELES diesen Migrationshintergrund teilt.

Das bringt uns in die Gegenwart, in der wir Stipendiat*innen bei ELES ein Zuhause gefunden haben, das uns bei unserem akademischen Werdegang unterstützt. Unser Studienwerk und wir Studierende sehen uns in der Tradition der Werte, die einst schon Ernst Ludwig Ehrlich vertrat: Pluralismus, Integration und Dialog. Diese essentiellen Stützpfeiler sind es, die nicht nur das Studienwerk ausmachen, sondern auch uns als Individuen in unserer jüdischen Identitätsbildung entscheidend beeinflussen. Es ist einerseits der interne Austausch und die Netzwerkbildung, die uns auf fachspezifischer, professioneller, kultureller und natürlich freundschaftlicher Ebene ermöglicht wird, andererseits auch die Möglichkeit in die Öffentlichkeit zu treten und den Austausch mit der Gesellschaft, beispielsweise den anderen konfessionellen und politisch-orientierten Studienwerken, zu suchen.

Scheinbar unlösbare Aufgaben, die Ehrlich zu seinem Lebenswerk machte, sind für uns heute mehr denn je relevant. Der politische Wandel in Deutschland ist beunruhigend. Antisemitismus ist überall in der Gesellschaft, jüdische Menschen werden auf offener Straße bedroht und selbst Schulkinder verwenden Begriffe wie „Jude“ als Beleidigung. Da gewinnt das von Herrn Ehrlich zitierte abgründige Bonmot „Antisemitismus ist da am ärgsten, wo es keine Juden gibt“ erneut an Bedeutung. Wenn wir uns heute mit Ernst Ludwig Ehrlich an einen Tisch setzen könnten, würden wir wahrscheinlich genau darüber mit ihm diskutieren. Wie können wir als Individuen unseren Beitrag dazu leisten, dass Vorurteile abgebaut werden? Wie können wir die jüdische Zukunft in Deutschland mitgestalten? Was können wir aus der Geschichte lernen? Was fordern wir von der Gesamtgesellschaft und wie möchten wir uns für ein pluralistisches Zusammenleben engagieren?

Begeistert blicken wir auf die Arbeit Ernst Ludwig Ehrlichs zurück, hat sie doch unser aller Werdegang beeinflusst. Gleichzeitig liegt es nun an uns als junge Jüd*innen und Akademiker*innen in Deutschland, die Zügel selbst in die Hand nehmen und diese Arbeit fortzuführen: den Dialog nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern auszubauen, den Pluralismus nicht nur zu tolerieren, sondern zu fördern, die Geschichte nicht nur zu wahren, sondern sie weiterzuschreiben. Dafür stand Ernst Ludwig Ehrlich seinerzeit und das ist es, was wir als Stipendiat*innen des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks heute weiterleben.

In diesem Sinne – Masel tov Ernst Ludwig Ehrlich!

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