Eine Gruppe von hoch motivierten ELES-Promovierenden traf sich im November in Brandenburg  zum „Forum für Promovierende“. Unter der Leitung von ELES-Referentin Dr. Eva Lezzi wurden Schwierigkeiten und Hürden ebenso wie Erfolgserlebnisse des Promivierens diskutiert. Trotz der individuellen Promotionsprojekte überraschte dieses Mal eine inhaltlich verbindende Klammer, nämlich das Thema „Sprache“. Sprache als explizites Forschungsthema (u. a. Sarah Kofmans Sprachphilosphie; Language Brokering in postsowjetischen Einwandererfamilien; Sprachenpolitik gegenüber dem Hebräischen im Amerika der frühen 1920er Jahre), aber auch als akademische Herausforderung: In welcher Sprache soll eine Promotion für welches Zielpublikum verfasst werden? Welche Schwierigkeiten stellen sich durch das Schreiben in der Nicht-Muttersprache? Wie gehen wir heute mit kolonialen Termini um? Wie verbinden wir autobiographische Dokumente mit politischen? Welche Sprach- und Formreglementierungen verlangt das Abfassen einer Promotion?

Der Inputvortrag von Prof. Christoph Schulte zum Thema „8 + 1 Lichter, oder: Wie schreibe ich eine Dissertation ohne Wunder?“ regte zu weiteren Fragen an, die bei Wein und Kerzen bis in die Nacht hinein diskutiert wurden.

Wir danken der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz für die Gastfreundschaft, das leckere Essen und die gute Haus-Atmosphäre, die zum Gelingen des Forums viel beigetragen haben!

„Seid fruchtbar und mehret Euch“ ist die erste Mitzwah in der Torah. Fortpflanzung hat im Judentum also eine große Bedeutung, doch auch das sexuelle Vergnügen jenseits des Kinderkriegens ist durchaus erwünscht. Die Torah verpflichtet den Mann explizit dazu, seine Frau zu befriedigen und ihr umfänglich zur Verfügung zu stehen. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, ist dies ein Scheidungsgrund. Die verschiedensten Sexualpraxen werden in der rabbinischen Tradition akzeptiert, so lange kein „Samen verschwendet“ wird. Doch diese Prämisse birgt große Herausforderungen, steht sie doch beispielsweiser einer schwulen Sexualität entgegen.

Im Rahmen eines Kollegs beim Forum Humanum in Neversdorf nahmen wir uns dem Thema „Sexualität und Judentum“ vermittelt über das Medium Film an. Rabbiner Shaul Friberg führte zunächst in die religiösen Grundlagen des Themas ein und stellte einige Passagen aus Thora und Talmud zur Sexualität vor. Die Filmwissenschaftlerin Hilla Lavie gab einen Überblick zu Methoden der Filmanalyse, mit denen anschließend die Filme des Kollegs diskutiert und ausgewertet wurden. Die ersten drei Filme „Du sollst nicht lieben“ (2009), „Sacred Sperm“ (2014) und „Keep not silent“ (2004) beleuchteten das Thema anhand ultra-orthodoxer Gemeinden in Israel, allerdings aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Während „Du sollst nicht lieben“ von außen mit einem sehr kritischen Blick auf die ultra-orthodoxen Gemeinschaften blickt und deren Umgang mit Homosexualität problematisiert, nimmt die Doku „Keep not silent“ eher eine Innenperspektive ein. Die Protagonistinnen sind selbst streng religiös, befolgen die Gesetze und sehen ihre eigene homosexuelle Sexualität zum Teil als einen Widerspruch dazu an. In der Selbsthilfeorganisation OrthoDykes kommen sie mit anderen Lesben zusammen, um die Vereinbarkeit von jüdisch-orthodoxer Lebensführung und Homosexualität zu diskutieren und sich gegenseitig zu unterstützen. Ein Highlight des Kollegs war, dass die Macherin der Dokumentation, Ilil Alexander, für Fragen zur Verfügung stand. Wir sprachen mit ihr über die Entstehung, Hintergründe und das Anliegen der Dokumentation. Alexander gewährte der Gruppe tiefe Einblicke sowohl in die Arbeit einer Regisseurin als auch in die Hintergründe der Protagonistinnen des Films.

Die Dokumentation „Sacred Sperm“ nimmt eine andere Position zum Thema Sexualität und Judentum ein und beleuchtet das religiöse Gebot, keinen Samen verschwenden zu sollen. Der Regisseur und Protagonist ist ein israelischer Charedi, der im Film die Herausforderungen diskutiert, seinen Kindern das Onanieverbot und sexuelle Enthaltsamkeit bis zur Ehe zu vermitteln. Zwar thematisiert der Film die großen Schwierigkeiten einer solchen Lebensführung, letztendlich wird die Enthaltsamkeit aber als etwas durchweg Positives dargestellt. Der Film bot einen guten Perspektivwechsel zu den ansonsten häufig sehr kritischen Filmen über ultra-orthodoxe Gemeinschaften.

Eine ganz andere Form der jüdischen Gemeinschaft und deren Umfang mit Sexualität wird in der Serie „Transparent“ dargestellt, die wir zum Abschluss des Kollegs ansahen. Die Serie handelt von einer liberalen, jüdischen Familie und ihrem Umgang mit dem Outing des Vaters als Trans-Frau. In der Serie wird ein Bild vom Judentum gezeichnet, das sehr offen ist für jegliche sexuelle Praxen und Identitäten. „Transparent“ setzte einen starken Kontrapunkt zu den anderen Filmen des Kollegs und veranschaulichte, dass es sehr unterschiedliche Auslegungen des Judentums gibt.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für die spannenden Diskussionen und bei der Udo Keller Stiftung für die großzügige Gastfreundschaft.

„Einer der Gründe, der mich dazu bewegt hat, hier mitzuwirken, ist die aktuelle politische Lage in Deutschland“, „es ist wichtig, dass wir uns als Person kennenlernen können, und dass wir uns persönlich öffnen können und Freundschaften entwickeln können“ — zwei Wortmeldungen jüdischer und muslimischer Teilnehmender bei der Jahresabschlussveranstaltung von Karov-Qareeb, dem jüdisch-muslimischen Thinktank, die der Deutschlandfunk am vergangenen Sonntag eingefangen hat. Der Deutschlandfunk berichtete in seiner Sendung „Campus & Karriere“ ausführlich über den Thinktank, den ELES und das muslimische Avicenna-Studienwerk 2019 initiiert haben und der sich an jüdische und muslimische Stipendiat_innen aller 13 Begabtenförderungswerke richtet. Karov-Qareeb möchte Allianzen fördern und verstetigen und über die jeweiligen Communities hinaus in die Gesellschaft hineinwirken. 2020 wird der Thinktank fortgeführt.

Hier der Link zum Beitrag des Deutschlandfunks. Weitere Informationen zu Karov-Qareeb hier.

Bei unserer Veranstaltungsreihe „ELES trifft …“ laden wir Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und den Wissenschaften zum Gespräch mit aktuellen und ehemaligen ELES-Stipendiat_innen. Zum Abschluss des Jahres 2019 freuen wir uns auf ein Gespräch mit Botschafterin Michaela Küchler am 16. Dezember 2019 um 13:00 Uhr im Auswärtigen Amt. Frau Küchler ist seit Mai 2018 eben dort Sonderbeauftragte für Beziehungen zu jüdischen Organisationen, Antisemitismus und Antiziganismus. Vor dem Gespräch mit Frau Küchler führt uns ELES-Alumnus Dimitri Choufatinski durch das Auswärtige Amt.

Anmeldung bis zum 12. Dezember 2019, 12 Uhr, per E-Mail an Frau Dingerdissen (dingerdissen@eles-studienwerk.de).

Willi Jasper berichtet heute in Tagesspiegel und Potsdamer Neueste Nachrichten über „Verquere Verortungen. Festival Jüdischer Literaturen„: „Schon im Sommer setzte sich das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) in einer Reihe von Veranstaltungen mit ‚Jüdischen Literaturen‘ auseinander. Es ging um ‚Identitäten im Schreiben und Schreiben über Identitäten‘. Berlin, so das Fazit, sei dabei ein ‚wichtiges Zentrum jüdischen Schreibens und als literarisches Sujet selbst allgegenwärtig‘. Mit einem dreitägigen Festival unter dem Titel ‚Verquere Verortungen‘ fanden die Diskussionen nun im Literaturhaus Berlin eine Fortsetzung.“

„Wo Schwarzweißdenken nicht hilft“ — René Hamann, taz, hat“Verquere Verortungen. Festival Jüdischer Literaturen“ (3.-5.12.2019; im Literaturhaus Berlin) besucht. Hier der Link zum Nachlesen seines Beitrages.

Die Jüdische Allgemeine berichtete über den ersten Tag von „Verquere Verortungen. Festival Jüdischer Literaturen“. Zum Auftaktabend kamen rund 110 Gäste ins Literaturhaus Berlin.

 

Zum Start das Festivals Jüdischer Literaturen sprach der Deutschlandfunk über die Intention und das Programm von „Verquere Verortungen“. Das Gespräche wurde in der Sendung „Kultur heute“ ausgestraht und kann hier nachgehört werden.

Das Festival feierte die Vielfalt gegenwärtiger jüdischer Literaturproduktion. 30 Autor*innen und Künstler*innen luden drie Tage lang zum Erkunden unterschiedlichster Literaturen ein, zum Hören, Lesen, Diskutieren und Streiten.

An dem Festival nahmen rund 30 Autor_innen und Künstler_innen teil, darunter Maxim Biller, Dmitrij Kapitelman, Nele Pollatschek, Eva Menasse, Channah Trzebiner, Dani Levy, Max Czollek, Robert Schindel, Noam Brusilovsky, Tomer Gardi, Esther Dischereit, Adriana Altaras und Dana von Suffrin. „Verquere Verortungen“ zeigte die Vielfalt gegenwärtiger jüdischer Literaturproduktion unterschiedlichster Genres – von Prosa, Lyrik, Hörspiel und Film. Während des Festivals wurden die Installationen „Morphing Sounds“, „Hybride Kalligrafie“ und „Global Alphabet“ ausgestellt.

Das Festival war eine Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin. Es wird durch die Szloma-Albam-Stiftung, die Leo Baeck Foundation und den Verein der Freunde und Förderer des Literaturhauses Berlin gefördert.

 

Was heißt jüdisch? Was ist das Jüdische an Jüdischen Literaturen? Wir verorten sich Autor_innen selbst und welche verqueren Verortungen werden Autor_innen aufgedrückt? Welche Klischees gibt es? Dies sind einige der Fragen, über die Deutschlandfunk Kultur mit Eva Lezzi, Kuratorin von „Verquere Verortungen. Festival Jüdischer Literaturen“, gesprochen hat. Das Interview wurde in der Sendung „Lesart“ ausgestrahlt. Link zur Mediathek hier.

Das Festival ist eine Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin. Es wird durch die Szloma-Albam-Stiftung, die Leo Baeck Foundation und den Verein der Freunde und Förderer des Literaturhauses Berlin gefördert.

»Nach allen Richtungen offen diskutieren« — Eva Lezzi, eine der beiden Kurator_innen von „Verquere Verortungen. Festival Jüdischer Literaturen“, sprach mit Ayala Goldmann, Jüdische Allgemeine, über das Literaturfestival. Link zum Interview hier.

Das Festival ist eine Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin. Es wird durch die Szloma-Albam-Stiftung, die Leo Baeck Foundation und den Verein der Freunde und Förderer des Literaturhauses Berlin gefördert.

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