Die Monatszeitschrift chrismon stellt „fünf Beispiele gelungener Kooperation“ von Jüd_innen, Christ_innen und Muslim_innen vor, darunter auch das von ELES initiierte Projekt Dialogperspektiven. Religionen und Weltanschauuungen im Gespräch.

Die Dialogperspektiven sind ein Programm zur Etablierung innovativer Formen des interreligiösen und weltanschaulichen Dialogs. Es richtet sich an Stipendiat_innen aller 13 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Begabtenförderungswerke, die als zukünftige Verantwortungsträger_innen zu Expert_innen des interreligiösen Dialogs ausgebildet werden.

 

Schon bei meiner Ankunft in Buchen wurde ich sehr herzlich empfangen. Frau Gisela Brech, die sich um den reibungslosen Ablauf meines zweiwöchigen Aufenthalts kümmerte, händigte mir gleich zu Beginn den Schlüssel zur Bücherei des Judentums aus (BdJ). Dadurch war mir der Zugang zur BdJ jederzeit möglich und ich konnte völlig autonom arbeiten und recherchieren.
Die BdJ verfügt über einen beeindruckenden Bücherbestand, der kaum Wünsche offen lässt und sogar einige Werke aus der Privatbibliothek von Prof. Evelyn Goodman-Tau umfasst. Die freie und ungestörte Nutzung der BdJ ermöglichte mir fokussiert und effizient an meinem Dissertationsprojekt zu arbeiten. Zwischendurch boten sich Spaziergänge durch den Odenwald an, um ein bisschen Frischluft zu tanken und abzuschalten.
Durch den Workshop, den ich am Ende meines Aufenthalts in der BdJ abhielt, konnte ich die Ergebnisse meiner Schreibzeit noch einmal Revue passieren lassen. Besonders hervorzuheben sind hier auch die Begeisterung und die Herzlichkeit, die mir von den Workshop-Teilnehmer_innen – ein interessiertes, erwachsenes Laienpublikum – entgegengebracht wurden.
Auf Initiative von Frau Brech, hatte ich an zwei Nachmittagen Gelegenheit einen Einblick in die jüdische Geschichte Buchens und Umgebung zu bekommen. So bekam ich eine private Führung über den erstaunlich gut erhaltenen jüdischen Friedhof und dessen Geschichte im angrenzenden Ort Bödigheim. Bei einem Ausflug mit Frau Brech in das bayrische Miltenberg konnte ich auch dort den alten jüdischen Friedhof sowie den malerischen Ort Miltenberg besichtigen.
Die Schreibzeit an der Bücherei des Judentums in Buchen im Odenwald erwies sich nicht nur als besonders produktiv im Hinblick auf die Arbeit an meinem Dissertationsprojekt, sondern auch als willkommene Abwechslung zum Berliner Bibliotheksalltag. Daher lege ich allen Stipendiat_innen, die sich im Rahmen ihres Studiums mit Judentum auseinander setzen, wärmstens ans Herz sich für die nächste ELES-Schreibzeit zu bewerben.
Christina Feist, MA

Das zweite Praxiskolleg 2018 widmete sich dem Thema „Nur durch Geburt allen? Wege zum Judentum im 21. Jahrhundert“ (11.- 14. Oktober). Nach einem spannenden und emotionalen ersten Block zu einer jüdischen Gemeinde in Südamerika (referiert von Rabbiner Shaul Friberg) wurde „Der Tango von Rashevskis“ gezeigt. Der Film stellt Fragen zur jüdischen Identität und löste eine rege Diskussion unter den Teilnehmenden aus (geleitet von Rabbiner Nils Ederberg).

Wie gewohnt umfasste das Kollegprogramm sämtliche liturgische Bestandteile des Schabats: Kabbalat Schabat, Schacharit und Havdala. Die beiden Rabbiner wechselten einander ab und vermittelten so unterschiedliche Führungen eines Gottesdienstes (orthodox und Masorti).

Nach einer mehrstündigen Stadtführung durch Halberstadt bereiteten die Teilnehmer_innen die Gerichte des Schabatessens zu: frische Challot, gehackte Eier, gehackter Hering, Pescado en colorado, Tscholent/Chamin, Kartoffel-Kugel und Lekach. Das gemeinsame Kochen wurde zu einem besonderen Erlebnis der Tage in Halberstadt. Sowohl die Stadtführung als auch das Kochen wurden organisiert und begleitet vom Referenten Uri Faber von der Moses Mendelssohn Akademie.

Bei den folgenden Themenblöcken „Halacha und Identität. Wer definiert, wer jüdisch ist“ und „Gijur – Übertritt“ wurden die bereits bei der Einführung gestellten Fragen durch die beiden Rabbiner näher erläutert und von den Teilnehmer_innen kontrovers diskutiert. Der zweite Film – „Dies sind die Namen“ – erzählt von „Chueta“ (Nachfahren spanischer Juden, die im 15. Jahrhundert Katholiken wurden, aber eine eigene Identität bewahrt haben) und demonstrierte eine weitere Dimension der Fragestellung nach jüdischer Identität.

Der abschließende Programmpunkt „Ask the Rabbis“ bot den Stipendia_innen Raum für persönliche Fragen, Beiträge und Meinungsaustausch.

Das Praxiskolleg war eine gelungene Veranstaltung, die Theorie und Praxis von Shabbat vereinte. Die Tage in Halberstadt waren geprägt von einer angenehmen Lernatmosphäre und einem offenem Miteinander.

Pünktlich zum ersten Jüdischen Zukunftskongress (5.-8.11.2018) in Berlin ist die zweite Buchpublikation von ELES erschienen: „Weil ich hier leben will … Jüdische Stimmen zur Zukunft Deutschlands und Europas“. Walter Homolka, Jonas Fegert und Jo Frank haben den Band herausgegeben, die Beiträge sind von Dr. Sandra Anusiewicz-Baer, Benjamin Fischer, Dr. Max Czollek, Cecilia und Yair Haendler, Tobias Herzberg, Dr. Klaus Lederer, Igor Mitchnik, Prof. Dr. Frederek Musall, Olga Osadtschy, Hannah Peaceman, Carmen Reichert, Meytal Rozental, Yan Wissmann und Greta Zelener. Erste Rezensionen und Beiträge erschienen u. a. im Bayerischen Rundfunk, im MDR Hörfunk, im Tagesspiegel, auf jetzt.de und Freitag.de.

„Weil ich hier leben will …“ liegt im Herder Verlag vor.

 

Das Video zum Jüdischen Zukunftskongress:

Am Montag beginnt eine Woche voller Veranstaltungen in Berlin, und ELES ist natürlich mittendrin!

Einige Programmhighlights aus ELES-Perspektive:

5.11. 19:00 // Eröffnung des Jüdischen Zukunftskongress
6.11. 11:30 // DAGESH-Filmmatinee
7.11. 18:00 // Verleihung des ersten DAGESH-Kunstpreises
8.11.  9:00 // Denominationen. Gelebter Pluralismus im Judentum
8.11. 13:00 // Abschluss des Jüdischen Zukunftskongress

Das vollständige Programm gibt es hier: www.juedischer-zukunftskongress.org

Wir freuen uns!

Wir freuen uns sehr, dass das ELES-Kunstprogramm DAGESH auf dem Jüdischen Zukunftskongress gleich mit zwei anspruchsvollen und repräsentativen Projekten vertreten ist: Mit der Verleihung des ersten DAGESH-Kunstpreis in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Berlin und mit der DAGESH-Kurzfilmmatinnee zum Thema „Erinnerung“ in Kooperation mit den Jüdischen Filmfestspielen Berlin & Brandenburg.

Die Kurzfilmmatinee findet am 6. November um 11.30 Uhr im Kino Filmkunst 66 statt; die Preisverleihung am 7. November um 18 Uhr in der Akademie des Jüdischen Museums Berlin.

Dagesh_Kurzfilme_Flyer

Dagesh_Einladung_JMB_WEB

 

Vom 2. bis 9. September fand die fünfte Israel-Akademie für Stipendiat_innen des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks und der Konrad Adenauer Stiftung (KAS) statt. Organisiert und durchgeführt wurde die Akademie von Yana Lemberska (ELES), Kristina Devine (KAS) und Palina Kedem (Auslandsbüro Israel der KAS). Daniel Laufer, Vorbeter und Dagesh-Kurator, unterstütze das Programm als religiöser Begleiter.

Die Akademie bot den zehn ELES- und zehn KAS-Stipendiat_innen ein mannigfaltiges Programm an unterschiedlichen Standorten. So begann das Seminar in Jerusalem, wo Dr. Alexander Brakel, der Leiter des Auslandsbüros der KAS in Israel, bei einem gemeinsamen Abendessen eine Einführung zur aktuellen sozialpolitischen Lage im Land gab. Am nächsten Tag standen Vorträge zur Religion, Gesellschaft und Politik und ein Besuch der Knesset auf dem Programm. Das Gespräch mit Amir Ohana, einem Knesset-Abgeordneten und Likud-Parteimitglied, war eines der ersten Anzeichen dafür, wie nah die Gruppe politischen Entscheider_innen in der kommenden Woche kommen konnte. Diese Möglichkeit nutzten die Stipendiat_innen mit mutigen Fragen und hinterfragenden Kommentaren in hohem Maße.

Am Tag darauf besuchte die Gruppe die Gedenkstätte Yad Vashem. Nach einer Führung durch das Museum wurden untereinander Informationen und auch emotionale Eindrücke ausgetauscht. Besonders eindrücklich war danach der Nachtrundgang in der Jerusalemer Altstadt, der die prächtigen Bauten in einem bemerkenswerten Licht zeigte. Im Zusammenspiel mit den Slichot-Gebeten und -Gesängen vor Rosh Hashana erhielt die Stadt diese besondere spirituelle Atmosphäre, die ihr so häufig zugeschrieben wird.

An diesen erlebnisreichen Tagen schloss sich ein weiterer besonders spannender Programmtag an: Aus Jerusalem fuhr die Gruppe vorbei am Toten Meer und dem See Genezareth hin zum Ramat Hagolan in den Golanhöhen. Hier, in 800 Meter Entfernung zur syrischen Grenze, erhielten die Teilnehmenden eine Einführung durch IDF-Repräsentanten in das IDF-Projekt zur humanitären Hilfe “Die gute Nachbarschaft”, das sich für syrische Geflüchtete und Verletzte einsetzt. Nach einem Besuch in einem drusischen Dorf und einem aufschlussreichen Gespräch mit der stellvertretenden Bürgermeisterin des Ortes, Raeda Safadi, fuhr die Gruppe weiter nach Tel Aviv. Hier stand ein Runder Tisch mit den Mitgliedern des „Forums Manof“ und der ELES-Regionalgruppe Israel auf dem Programm.

In Tel Aviv traf die Gruppe auch Mitarbeiter_innen der Politischen Abteilung der Deutschen Botschaft und sprach mit ihnen über die deutsch-israelischen Beziehungen in Zeiten eines neuen Populismus‘. Das Mittagessen in Sarona, einem Büro- und Ausgehviertel Tel Avivs, wurde von einem Vortrag zu den jüdisch-arabischen Beziehungen begleitet. Eine anschließende Führung durch die antike Hafenstadt Jaffa untermalte das eben Gehörte, sodass sich die Gruppe vor Ort ein Bild machen konnte. Am Abend wurde gemeinsam der Shabbat in der North Central Synagogue gefeiert, welcher am folgenden Abend dort auch wieder bei der Havdala gemeinsam seinen Ausklang fand.

Der letzte gemeinsame Tag in Israel war von kulturellen Programmpunkten geprägt: Nach einem Morgengebet in der Synagoge stand ein Museumsbesuch mit Führung durch die Ausstellung “Hollywood and other Myths” im Tel Aviv Museum of Art an. Im Anschluss führte die in Israel lebende und in Architektur promovierende ELES-Stipendiatin Anke Kühnel die Gruppe durch Tel Aviv und legte dabei den Fokus auf die Spuren der Bauhaus-Architektur. Dieser Stadtspaziergang sorgte für eine vollkommen neue Perspektive auf die Stadt. Das Evaluationsgespräch bei gemütlicher Stimmung auf dem Dach des Hotels rundete die gesamte Akademie ab und ließ Platz für die Erinnerung des gemeinsam Erlebten und ebenso für eine Reflektion. Insgesamt war es wieder eine besonders gelungene Kooperationsakademie, die sich für Stipendiat_innen des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks und der Konrad Adenauer Stiftung auf vielfältigen Ebenen gelohnt hat.

 

Rückblick auf das Dialogperspektiven Herbstseminar 2019 „Religion und Technologie“

26. bis 30. September, Seminarhaus Shanti/Yoga Vidya Institut e.V., Horn-Bad Meinberg

 

Mit dem Herbstseminar 2018 zum Thema „Religion und Technologie“ sind die Dialogperspektiven erfolgreich in das vierte Programmjahr 2018/19 gestartet. Vom 26. bis 30. September 2018 fand das erste von zwei Seminaren dieses Programmjahrs im Seminarhaus Shanti des Yoga Vidya Instituts in Horn-Bad Meinberg statt. Während fünf intensiver Tage haben die insgesamt 42 Teilnehmer_innen unseres Programms, darunter zahlreiche Teilnehmer_innen aus dem dritten Programmjahr, die sich für die Fortsetzung ihrer Teilnahme entschieden haben, gemeinsam gearbeitet, diskutiert und ihre jeweilige religiöse, spirituelle und weltanschauliche Praxis gelebt.

Den Kern des inhaltlichen Programms bildeten die vier themenspezifischen Arbeitsgruppen unter der Leitung von Stephan Raab (Identität im Internet – Parallelen zur „Leitkultur“- Debatte?), Professor Dr. Frederek Musall (Gottes Würfel – Positionen und Perspek-tiven zum Verhältnis von Religion, Wissenscha­ft und Technik), Dr. Alexander Graeff („Die göttliche Reinheit des Cyberspace“ – Sci-Fi-Religionen und Konzepte theologischer Technikrezeption) und Nadine Reinhardt (Transhumanismus – Heilsversprechen, Hiobsbotschaft­ oder Illusion?).

Abgerundet wurde die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Religion und Technologie zum einen durch ein Podiumsgespräch (#religion – Religionen und Weltanschauungen im digitalen Raum) mit den Netzaktivistinnen Safiyye Arslan, Sarah Egger und Iris Battenfeld, zum anderen durch Vorträge von Christopher Coenen vom Karlsruher Institut für Technologie (Die transhumanistische Apotheose der Menschheit) und Filmemacher und Autor Philipp von Becker (Europa und die digitale Weltordnung – Auf dem Weg in den „smarten“ Kontrollstaat oder Chance für eine emanzipatorische Politik?).

Neben der inhaltlichen Arbeit spielte die gemeinsame religiöse Praxis während der Seminartage eine zentrale Rolle: Mit einer Einführung in die Praxis des islamischen Freitagsgebets, einer gemeinsamen Kabbalat Shabbat Feier, einem ökumenischen Gottesdienst sowie geistigen Impulsen zu unterschiedlichen Praxen des islamischen Aschura-Festes, zum biblischen Buch Kohelet und zur religiösen Praxis des jüdischen Sukkotfestes gab es zahlreiche Gelegenheiten, religiöse Praxis miteinander zu entdecken. Das Programm wurde durch die religiösen Begleiter_innen Dr. Ayşe Başol, Max Feldhake sowie Dr. Volker Grunert gemeinsam mit den Teilnehmer_innen vorbereitet und durchgeführt.

Ergänzt wurde das Seminarprogramm durch verschiedene Dialog- und Reflexionsformate, in denen die Teilnehmer_innen unter Anleitung von Dialogperspektiven-Alumna Kristina Schneider und Teilnehmerin Liora Jaffe über aktuelle gesellschaftliche und politische Fragestellungen sowie über unterschiedene Aspekte von Identitätskonstruktionen reflektieren und diskutieren konnten. Zahlreiche Möglichkeiten für Rückzug und Gebet ermöglichten zudem Räume für individuellen Austausch unter den Teilnehmer_innen.

Es waren fünf intensive Tage des Austauschs, des Voneinander-Lernens und der Diskussionen, voller besonderer Momente und Begegnungen – unser Dank gilt allen Referent_innen, den religiösen Begleiter_innen und unseren Teilnehmer_innen für ihre Offenheit, ihr Engagement und ihre Unterstützung!

 

Erster DAGESH Kunstpreis geht an Liat Grayver, Yair Kira und Amir Shpilman

 

Im Rahmen des Jüdischen Zukunftskongresses wird am Mittwoch, dem 7. November 2018 erstmals der DAGESH Kunstpreis an jüdische Künstler*innen verliehen. Der Festakt beginnt um 18 Uhr in der W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums Berlin in Anwesenheit der Künstler*innen, von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa . Der Kunstpreis wird gemeinsam vom Jüdischen Museum Berlin und dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk jährlich an jüdische Künstler*innen vergeben. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin gestiftet.

 

Was bedeutet Jüdisch-Sein heute?

In diesem Jahr lautete die Wettbewerbsfrage: „Was bedeutet Jüdisch-Sein heute?“ Eine achtköpfige internationale Jury, der u.a. die Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin Léontine Meijer-van Mensch sowie der israelische Kurator Itamar Gov angehören, wählte unter den sieben Bewerbungen das Projekt „Open, Closed, Open – פתוח, סגור, פתוח der bildenden Künstlerin Liat Grayver, des Produktdesigners Yair Kira und des Komponisten Amir Shpilman aus.

 

Die multimediale Installation der drei Künstler*innen ist für zwei Räume konzipiert. In einem der beiden Räume, „The Sandbox“ genannt, interagieren die Besucher*innen aktiv mit einem Roboter, indem sie miteinander die Sandfläche bearbeiten. Hierfür stehen den Besucher*innen Formen hebräischer Buchstaben zur Verfügung. Die entstehende, durch den Roboter immer wieder verwehte Sandschrift spiegelt im Kunstwerk gegenwärtige Erfahrungen des Jüdisch-Seins, die Fluidität von Identitäten und Identitätskonstruktionen sowie die Vergänglichkeit von Erinnerung. Im zweiten Raum „Video Room“ wird das aufgezeichnete Geschehen projiziert und somit der Betrachtung überantwortet. Beide Räume werden von einer Komposition menschlicher Stimmen gefüllt. Auch dieses (selbst)reflexive Moment ist wichtiger Bestandteil heutigen jüdischen Seins zumal in der Diaspora. Zugleich erlauben die beiden Räume in ihrem komplexen Zusammenspiel den aktiv partizipierenden Besucher*innen eine tiefe Erfahrung, die kabbalistische Aspekte in sich birgt.

 

„,Open, Closed, Open‘ ist eine poetische, subtile und komplexe multimediale Installation, die als vielschichtige Metapher für jüdische Identität fungiert und philosophische Fragen aufwirft“, so das Kuratoriumsmitglied Arnold Dreyblatt, seinerseits ein multimedialer Künstler. ,Open Closed Open‘ bietet vielfältige Antworten auf die Frage, was es heute bedeutet, Jude oder Jüdin zu sein. Des Weiteren hält die Jury in ihrer Begründung der Preisverleihung fest: „Ästhetisch beeindruckend, poetisch und bewegend – gleichzeitig aber spielerisch und humorvoll, stellt ,Open Closed Open‘ sprachliche und dichterische Traditionen in den Vordergrund, betrachtet die Sprache als zentrales Element der Identität.

 

Die Verleihung dieses erstmaligen DAGESH-Kunstpreises ist dem Andenken an Galit Schir gewidmet. Gali war von ELES geförderte Promovendin und Alumna, die sich stets für kulturpolitische Belange der jüdischen Gemeinschaft eingesetzt hat. Sie verstarb am 11. Mai 2018.

 

Zum Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk:

Das 2009 gegründete Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) ist eines der dreizehn Begabtenförderungswerke, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt werden. Mit der gezielten Förderung begabter jüdischer Studierender und Promovierender leistet das Studienwerk einen wichtigen Beitrag für die Ausbildung einer neuen jüdischen Intellektualität in Deutschland und Europa. ELES steht für ein traditionsbewusstes, pluralistisches, weltoffenes und selbstbewusstes Judentum. ELES fördert Jüdinnen und Juden aller Denominationen – von orthodox bis liberal, von masorti bis säkular. Dieses Zusammenkommen aller religiösen und auch nicht-religiösen Strömungen des Judentums ist einmalig, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit.

Nähere Informationen unter: www.eles-studienwerk.de

 

Zu DAGESH. KunstLAB ELES:

2016 wurde DAGESH. KunstLAB ELES als Kunstprogramm des ELES gegründet. DAGESH widmet sich den von ELES geförderten Künstler_innen unterschiedlicher Disziplinen sowie dem wachsenden Kreis von Ehemaligen, die heute an prominenten Stellen in verschieden Bereichen der Kunstproduktion und -vermittlung tätig. DAGESH sensibilisiert die Kunstwelt für jüdische Perspektiven und jüdische Überlieferungen, schafft Vernetzungen und schlägt Brücken zwischen Kunst und Wissenschaft, Kunst und Politik, Kunst und Diskurs. DAGESH macht den kreativen Umgang von Künstler_innen mit heutigen gesellschaftlichen und kulturpolitischen Herausforderungen sichtbar.

Nähere Informationen unter: www.dagesh.de

 

Datum: Mittwoch, 7. November 2018
Beginn:18.00 Uhr
Ort: W. Michael Blumenthal Akademie des Jüdischen Museums Berlin, Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 1, 10969 Berlin

 

Anmeldungen zur Veranstaltung: horn@eles-studienwerk.de

Pressekontakt und Akkreditierung: Kirchner Kommunikation, Tatjana Kirchner: kirchner@kirchner-pr.de

Mithilfe der ELES-Auslandsförderung befindet sich Rafael Balling derzeit für sein Double-Degree inInternational Management in Peking. In dieser neuen Reihe werden Stipendiat_innen, die sich mit der ELES-Auslandsförderung im Ausland befinden, vorgestellt.

Zwischen Anfang August 2017 und Ende Dezember 2017 befand ich mich zu Forschungs- und Vernetzungszwecken an der University of California, Berkeley. Die UC Berkeley erwies sich für mich als ein perfektes akademisches Umfeld, ist sie doch gerade für ihre Literaturprogramme und für ihr innovatives Jewish Studies Programm bekannt. Meine Zeit in Berkeley lieferte mir wertvolle Einblicke in die US-amerikanische Jiddistik/Jewish Studies: Einerseits konnte ich im intensiven Austausch mit Berkeley-Studierenden und -Lehrenden und unter Nutzung der dortigen Ressourcen inhaltlich wichtige Schritte vollziehen. Andererseits gelang es mir, wertvolle und anhaltende Kontakte nicht nur zu Professor_innen der UC-Berkeley, sondern auch zur Faculty anderer prominenter US-amerikanischer Universitäten zu knüpfen.

Der Aufenthalt in den USA hat sich als sehr produktiv erwiesen und mein Dissertationsprojekt entscheidend vorangebracht: Die akademischen Diskurse in und aus den USA sind für das Feld der Jiddischen Studien von enormer Bedeutung, gerade in der Überschneidung mit Gender Studies, wie sich etwa in der Forschung von Chana Kronfeld, Daniel Boyarin, Naomi Seidman oder David Shneer zeigt.

Ein besonderes Highlight war die Teilnahme an der First Annual Borscht-Rast Lecture with Daniel Boyarin, Judith Butler, and Naomi Seidman, während der Professorin Naomi Seidman, die eine meiner Betreuer_innen in Berkeley war, der Borscht-Rast Prize für ihre Monographie “The Marriage Plot” verliehen wurde. Die Preisverleihung fand im Stil halbstündiger Responsen von Daniel Boyarin und Judith Butler auf Seidmans Forschungsergebnisse statt und lieferte einen lebhaften und äußerst spannenden Einblick in die gegenwärtigen Diskussionen innerhalb der US-amerikanischen Gender und Jewish Studies.

Einen besonderen Eindruck hat die Dichte jüdisch-queerer Organisationen, Gruppen und Gemeinden in der Bay Area auf mich gemacht – etwas, das in Europa definitiv fehlt!

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